Basiskatalog 2019/20

Basiskatalog 2019/20

Das tun, wenn man nichts tun kann. Dann das, zum Beginn des 2. Semesters: die gesamte Kunsthochschule bleibt geschlossen. Kein Zugang zu den Ateliers, zum eigenen Arbeitsplatz und zu den Werkstätten.
Wie soll da die Praxis eines Kunststudiums funktionieren? Schlimmer noch: ohne soziale Nähe, ohne gemeinsames erleben, ohne direkten gedanklichen Austausch. Wie soll man sich so künstlerisch entwickeln können? Die Frage nach der „Systemrelevanz“ von Kunst und Kultur tauchte auf: ist das Studium der Kunst denn wirklich ein notwendiges „Lebensmittel“?
Aber, wer möchte das schon, in der Isolation eines notdürftigen „Home-Studios“ und ohne physische Nähe zu den bekannten Mitstreitenden, das Studium fortsetzen? ALLE teilnehmenden Basisstudierenden sagten eindeutig JA dazu: sie möchten diese Beschränkungen als Herausforderung annehmen und trotzdem versuchen, die künstlerische Produktivität
fortzuführen. Schließlich hat man ja noch seine sieben Sinne beisammen. Man kann weiterhin sehen, riechen, hören, tasten usw. Man kann weiterhin denken und handeln.

Die Ergebnisse des Prozesses sind in dem Katalog der Basisklasse auf 96 Seiten dokumentiert.

 

16.11.2020

Basisklasse

Die Basisklasse ist das gemeinsame künstlerische Orientierungsjahr, für alle Studierenden der Freien Kunst als auch für die Studierende des Faches Kunst für das gymnasiale Lehramt.
Anhand von Übungen und Aufgaben werden die Studierenden an die prozessbasierte Kontinuität im Atelieralltag herangeführt. Hier werden Untersuchungen angeboten, sich mit zeichnerischen, farblichen, dreidimensionalen und technisch erzeugten Bildmittel, als auch mit performativen Handlungen und anderen zeitbasierten Methoden zu artikulieren.
Diese Versuchsanordnungen sollen die Studierenden dafür sensibilisieren und befähigen, parallel dazu selbstständige bildnerische Fragestellungen zu formulieren. Es wird von den Studierenden erwartet diese in eigenständiger Weise konstant weiter zu entwickeln. Alle Mittel, Medien und Techniken sind zulässig. Alles ist möglich, der Experimentierfreudigkeit sind keine Grenzen gesetzt.
Zu dieser Entfaltung stehen den Studierenden neben ihrem eigenen Arbeitsplatz in den Basisräumen, auch ein Projektraum zur Verfügung, der es ihnen erlaubt, ihre Arbeit in einem Raumkontext zu installieren und so losgelöst von „Nebengeräuschen“ zu erfahren.

Darüber hinaus bilden Präsentationen der Arbeitsschritte und Reflexionen dazu – im Plenum und in Einzelgesprächen – eine weitere Konstante im Basisjahr. Hier wird den Fragen nachgegangen, welchen gedanklichen Ursprung, welcher Intention die jeweilige künstlerische Produktion folgt und welche tatsächlichen Wirkungen dabei erzielt werden.

Neben der Kontinuität in der künstlerischen Praxis werden die Studierenden in Informationsveranstaltungen mit den wechselnden Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst vertraut gemacht. Die Lehrenden stellen hier bei Exkursionen und über Lichtbildvorträge Themenspektren vor wie: Aspekte der Zeichnung, Farbe als Material und in der Malerei, Form und Skulptur im Raum, Fotografie der Gegenwart, Installation, Klang- und Videokunst sowie performative und zeitbasierte Arbeitsansätze. Ergänzend hierzu haben die Studierenden Zugriff auf eine interne – sich ständig erweiternde – Basisdatenbank (INFO – TAKE) mit filmischen Künstlerportraits und Statements, die es ihnen erlauben, einzelne künstlerische Haltungen der Gegenwart selbstständig zu erforschen.

Die Basisklasse versteht sich als eine Schule des Sehens, die es den Studierenden anhand eigener und anderer künstlerischen Produktionen ermöglichen sollte, künstlerische Qualitäten unterscheiden zu lernen, diese zu erkennen und benennen zu können. Diese Befähigung, die durch die im Basisjahr produzierten Arbeiten belegt werden, sollen den Studierenden den Weg öffnen, ihr Studium in Fachklassen fortsetzen zu können.

Fragen?

Prof. BKH Gutmann
T 0431 / 5198 – 454, E gutmann@muthesius.de
LfbA Goffredo Winkler
T 0431 / 5198 – 419, E winkler@muthesius.de